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(Méi) Beem an eise Strossen an op ëffentleche Plazen

Mouvement Ecologique und Oekozenter Pafendall hatten am 31. Januar 2024 zu einem anregenden Fachseminar zum Thema „(Méi) Beem an eise Stroossen an op ëffentleche Plazen“ eingeladen. Das Seminar fand in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Mobilität und öffentliche Arbeiten und der Straßenbauverwaltung, dem Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität sowie der Stadt Luxemburg statt.

Rund 230 Personen, Vertreter:innen von Gemeinden, Studienbüros, Ministerien, Verwaltungen, Umweltkommissionen und interessierten Bürger:innen nahmen an der Veranstaltung teil. Vor fünf Jahren, so Blanche Weber in den einführenden Worten, wäre das Echo für eine derartige Veranstaltung sicherlich noch geringer gewesen. Dies zeige auf, dass das Bewusstsein über die Bedeutung einer Durchgrünung der Ortschaften in Zeiten des Klimawandels erheblich angewachsen sei.

Diese Entwicklung wäre selbstverständlich äußerst positiv. Es wurde zudem darauf verwiesen, dass das Seminar sich in eine lange Reihe von Seminaren und Aktionen des Mouvement Ecologique sowie des Oekozenter Pafendall zur Thematik einreihe; dies mit der finanziellen Unterstützung des Umweltministeriums.

Umweltminister Serge Wilmes begrüßte seinerseits die Teilnehmer:innen und betonte sein Engagement im Sinne der Durchgrünung der Ortschaften.

Hauptredner war Dipl.-Ing. Thomas Roth, Landschaftsplaner und Gartengestalter in Wien. Auf sehr klare und verständliche Art und Weise legte er dar, wie wichtig die Durchgrünung sei und auf welche Aspekte bei der Umsetzung geachtet werden muss. Dabei basierte er sich, auf die in Wien gemachten Erfahrungen zum Thema Stadtbäume und Baumsubstrate in Zeiten des Klimawandels.

Abgerundet wurde dieser Fachvortrag durch Beispiele aus Luxemburg. Die Vertreter der Straßenbauverwaltung, der Gemeinde Luxemburg („Voirie“ und „Service des parcs“) sowie der Gemeinde Düdelingen („Travaux publics“ bzw. „Jardinage“) legten dar, welche positiven und welche negativen Erfahrungen sie in den vergangenen Jahren gemacht haben und welche Strategie sie für die Zukunft haben. Diese Erfahrungsberichte zeigten auf, dass der gute Wille besteht, auch in Luxemburg aktiv(er) zu werden und es eine entsprechende Dynamik gibt. Allerdings bleibt noch manches zu tun, damit bestehende Bäume erhalten werden und neue gepflanzt werden können. Neben dem notwendigen politischen Willen, gilt es auch die technischen Bedingungen konkreter festzulegen.

Den Videobeitrag finden Sie hier:

 

 

Die PP-Folien zur Veranstaltung finden Sie in den Downloads. Sie geben einen besseren Einblick in die Veranstaltung als erklärende Texte.

 

Einige Aspekte, die im Laufe der Vorträge thematisiert wurden, seien spezifisch hervorgehoben:

 

  • Beim Erhalt sowie der Neupflanzung von Bäumen zeigt die Erfahrung, dass man die Wasserversorgung in Trockenzeiten sicherstellen muss. Aber: Bäume benötigen auch Luft und in diesem Bereich werden häufig Fehler durch eine Kompaktierung der Böden. Durch spezielle Methoden gilt es gute Voraussetzungen zu schaffen, damit der Baum „atmen“ kann.
  • Die Zeiten müssten vorbei sein, wo Wasser durch das Kanalsystem abgeleitet werde, so die Aussage. Gemäß dem sogenannten Prinzip der „Schwammstadt“ sollte unbelastetes Wasser (wie z.B. Regenwasser von Dächern) in die Grünanlagen / zum Wurzelraum der Bäume geleitet werden. Verschmutztes Wasser, z.B. durch Streusalz, wird ebenfalls zur Bewässerung benötigt und kann durch einfache Filtersysteme genutzt werden. Seitens des Referenten wurde mehrfach hervorgehoben, dass derartige Systeme unerlässlich sind, um Bäume in Zeiten der hohen Temperaturen und Dürren zu erhalten.
  • Zur Frage, wie das Wasser besser zu den Bäumen dräniert werden könnte, war der Referent der Meinung, dass es sich z.B. anbieten würde,  nicht mehr unbedingt „durchlässige Bodenbeläge“ anzulegen, sondern das Wasser gezielt von versiegelten Flächen zu den Bäumen zu leiten. Es müsse von Fall zu Fall die gute Lösung gesucht werden. Auch die Anlage von Regenrückhaltebecken solle spezifisch untersucht werden.
  • In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls die notwendige Nutzung von spezifischen Substraten (statt einfachem Boden) betont, um eine optimale Versorgung des Baumes sicherzustellen.
  • Der Kostenfaktor wurde dabei ebenfalls angesprochen. Besonders bei der Neugestaltung von Straßen seien diese Mehrkosten gering, bei Problemen im Bestand könnten sie höher ausfallen. Aber, so die Meinung: losgelöst davon führe kein Weg daran vorbei, diese Gelder zu investieren, falls es morgen noch Bäume in unseren Ortschaften und Städten geben soll. Die Wohlfahrtsleistungen der Bäume würden weit über den Kosten liegen.
  • Der Umgang mit Baustellen und bestehenden Leitungssystemen wurde selbstverständlich auch als Herausforderung angesehen. Hierzu wurden sowohl vom Referenten als auch von den Vertretern aus Luxemburg konkrete Lösungsvorschläge angeführt.
  • Ein wesentliches Thema war ebenfalls, dass es einen nationalen Leitfaden geben müsse, in welchem konkrete Anregungen u.a. technischer Natur für die Pflege sowie die Neuanpflanzung von Bäumen in der Praxis erstellt werden müsse. Einen derartigen Leitfaden gibt es auf der Ebene der Stadt Luxemburg. Dieser könne ggf. als Basis dienen, müsse aber in Teilen aktualisiert und überarbeitet werden. Eine der zentralen Schlussfolgerungen dieses Seminars ist sicherlich die Wichtigkeit der Erstellung eines derartigen Leitfadens, damit nicht jedes Planungsbüro und jede Gemeinde sich das notwendige Wissen neu erarbeiten muss.

Zum Abschluss des Seminars lud Maurice Bauer als zuständiger Schöffe der Stadt Luxemburg zum Umtrunk ein und bekräftigte, dass auch die Stadt Luxemburg die Durchgrünung konsequent vorantreiben würde.

Eine rundum gelungene und sehr aufschlussreiche Veranstaltung!

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