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Vom Recycling- zum Wertstoffhof: Vom Container-Park hin zu mehr “ReUse, Repair, Share”

Das Oekozenter Pafendall und der Mouvement Ecologique luden gemeinsam unter der Schirmherrschaft des Umweltministeriums, im Rahmen ihres Projekts Rethink(*) zu dieser Online-Veranstaltung ein. Rund 80 interessierte Teilnehmer*innen nahmen daran teil, davon im Besonderen eine Reihe von Akteuren aus Gemeinden, der Abfallwirtschaft, dem sozialwirtschaftlichen Bereich sowie von Initiativgruppen.

Sehen Sie hier die Konferenz im Replay:

Thierry Lagoda – Mitarbeiter des Oekozenter Pafendall – begrüßte alle Teilnehmer*innen der Veranstaltung und ging kurz auf die aktuellen Hintergründe ein, die zu dieser Konferenz geführt haben. So z.B. auf das neue Abfallwirtschaftgesetz. Dieses sähe nämlich vor die aktuellen Recycling-Zentren anhand eines großherzoglichen Reglements (liegt zur Zeit noch nicht vor),  zukünftig zu Ressourcen-Zentren umzuorientieren, hin zu mehr “ReUse, Repair, Share”.

Im Anschluss stellte Paul Rasqué – Conseiller  im Umweltministerium –  die Eckpunkte der “Strategie Null Ofall” sowie der Kreislaufwirtschaftsstrategie des Ministeriums vor. Kernelemente sind hierbei die Schaffung (création), Erhaltung (conservation) und die Wiederverwertung (récupération). Ziel sei es grundsätzlich den Wert von Gütern zu erhalten und somit die Nutzungsdauer zu verlängern. In einem Workshop wurden anschließend die Teilnehmer*innen befragt welche für Sie wichtige Elemente eines Ressourcen-Zenter wären. Hierbei identifizierten sich unter anderem der Bedarf nach einem größeren ReUse sowie Repair-Café Angebot, die Wichtigkeit der sozialen Aspekte (Einbindung sozialwirtschaftlicher Arbeitsinitiativen, Ressourcen-Zentrum als Begegnungs- und Austauschort….) und auch eine Harmonisierung des Angebots. Eine völlige Uniformisierung der Zentren sei jedoch nicht erwünscht, da das Abfallverhalten der Bürger und Betriebe nicht in allen Teilen des Landes das gleiche ist. Zukünftig soll auch eine sogenannte “collecte séparée” in Supermärkten und Wohngebäuden geschaffen werden. Hierzu gab es jetzt schon erste Pilotprojekte.

Wie genau zukünftige Ressourcen-Zentren organisiert werden sollen ist zur Zeit jedoch noch unklar. Für die Öffentlichkeit verfügbare Informationen zu den Materialflüssen in den Ressourcen-Zentren, sowie eine Harmonisierung des Angebots, stehen noch im Raum. Paul Rasqué verwies hierbei jedoch auf die Gemeindeautonomie. Eine Aussage die manche Zuhörer, aber nicht so stehen lassen wollten. So wurde dem nämlich entgegengebracht, dass trotz “autonomie communale” der Staat doch die Pflicht und die Verantwortlichkeit hätte, den Rahmen und somit u.a. Mindest(ausstattungs)kriterien, für die zukünftigen Ressourcen-Zentren vorzuschreiben und ggf. staatliche Förderhilfen an diese zu binden.

Anschließend ergriff Cornelia Vallant-Schlager, Abfallberaterin und Verantwortliche der Öffentlichkeitsarbeit des Abfallverbands Schwechat (AWS), das Wort und stellte den AWS sowie die Zusammenarbeit mit sozialen Initiativen vor.  In über 20 Sammelstellen, haben rund 84.000 Bürger*innen die Möglichkeit Wertstoffe abzulegen. Beeindruckend wenn man bedenkt dass in Luxemburg Stadt für rund 125.000 Einwohner, aktuell nur ein einziges Recycling-Zentrum zur Verfügung steht, wie ein Teilnehmer richtig bemerkte.

In Schwechat werden an allen Sammelstellen Container aufgestellt die es erlauben wiederverwendbare Gegenstände zu sammeln. Diese werden anschließend dem sozialen Partner, der Volkshilfe Wien, übergeben und in deren ReUse Shops verkauft. Dies mit vollem Erfolg! Seit der Einführung des Projekts steigt die Menge an gesammelten Waren nämlich konstant an. Doch auch hier gibt es Grenzen, so werden in Schwechat nämlich keine Elektrogeräte gesammelt da hierbei beim Weiterverkauf eine Bescheinung von Nöten wäre, dass das Gerät tatsächlich in Ordnung ist, und die Volkshilfe derzeit nicht die Möglichkeit hat alle Elektrogeräte technisch zu überprüfen.

Weiterer Anlass zur Diskussion gab die Frage zur Mehrwertsteuer bei Second-Hand bzw. ReUse Artikeln. Herr Paul Rasqué erklärte ,dies sei keine Kompetenz des Umweltministeriums und könne auch leider keine weiteren Erkenntnisse der interministeriellen Arbeitsgruppe, die sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigt, teilen.

Mit diesen auffallenden Containern werden auf den Sammelstellen ReUse Gegenstände gesammelt!

 

Patrick Falkenstein stellte seinerseits anschließend die Arbeit des Abfallsyndikats SIVEC vor. Vorab präzisierte er sofort das sich selbst gesetzte Ziel, nämlich: So viele Ressourcen wie möglich zurück in den Kreislauf zu bringen. Dies funktioniere sehr gut in Zusammenarbeit mit den verschiedensten Akteuren, so z.B. Arbeitsinitiativen, Sekundarschulen, Initiativgruppen u.v.m. So werden für die einzelnen Akteure zum Teil ganz gezielt nach deren Bedürfnissen gesammelt. Dies zahlt sich auch aus: 95% der gesammelten Gegenstände kommen  – auch dank einer Instandsetzung durch Arbeitsinitiativen – in den Umlauf. Um erfolgreiche Synergien zu schaffen gelte es sich laut Falkenstein als Ressourcen- Zentrum anzupassen. Nicht jeder Wertstoffhof muss zwingend das Gleiche sammeln, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen Akteuren zu ermöglichen. Lagerkapazität, oder Vermittlung von Ressourcen könnten hierbei auch schon einen großen Teil zu einer Optimierung von Materialflüssen beitragen. Sammeln, Koordination, Weiterleiten, Transparenz, Qualität, sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Mitgliedsgemeinden, Arbeitsinitiativen, Schulen etc… sind für Patrick Falkenstein der Schlüssel zum Erfolg.

 

Über eine WhatsApp Gruppe können Interessierte (Arbeit- und Gemeinwohlinitiativen, Schulen,…) über die Ankunft brauchbarer Gegenstände informiert werden.

 

Charel Kneip, Chargé de Direction von Nei Arbecht, eine Initiative des Comité national de défense sociale, stellte seinerseits die Dimension der Arbeitsinitiativen vor. So beschäftigte Nei Arbecht im Jahr 2020, 83 Personnen und betreute diese auch sozial. Drei Lastwagen fahren täglich raus um potentielle Gegenstände zum Weiterverkauf im eigenen Shop zu sammeln. Seit 2016 werden zudem in einer Konvention mit Ecotrel und einzelnen Ressourcen-Zentren auch Elektro-Geräte gesammelt und die mit Hilfe von den hauseigenen anerkannten Elektriker wieder in den Umlauf gebracht. Die Haftungsfrage stellt sich somit nicht. Solche gut organisierten Synergien zwischen Initativen und Ressourcen-Zentren sowie anderen Akteuren sind es demnach die erfolgreiches Sammeln und Weiterverwenden ermöglichen.

 

Drei bis vier Transporter fahren jeden Tag raus um gratis auf Verabredung, Gegenstände die wiederverwertet können, einzusammeln.

Wenig überraschend war anschließend die Frage, wie solche Vorreiter-Modelle denn zukünftig landesweit transponiert werden können. Laut Falkenstein wäre hierbei ein Schlüsselelement den Austausch und eine mögliche Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren aber auch anderen Akteuren zu suchen. Paul Rasqué führte seinerseits an, dass das Ministerium eindeutig den Weg von zusätzlichen Synergien gehen will, demnach auch offen für Anfragen ist, hier jedoch wiederum nur begrenzten Einfluss haben kann wegen der Gemeindeautonomität.

Im weiteren Verlauf der Diskussionsrunde wurden unter anderem eine Harmonisierung des Zugangs zu Ressourcen-Zentren (also unabhängig vom Wohnort), gezielte  Wiederverwendung von verschiedenen Produktgruppen u.v.m. angesprochen.
Letzlich dürfte vieles davon abhängen, ob der Staat den notwendigen Rahmen für die Gemeinden in die Wege leiten wird, damit die Gemeinden bzw. Gemeindesyndikate in einem überschaubaren Zeitrahmen den beabsichtigten Paradigmenwechsel auch tatsächlich umsetzen können.

(*) Unter folgendem Link finden Sie die Aufzeichnung und den Bericht der Veranstaltung: “Wiederverwenden – Reparieren – Teilen – Kreislaufwirtschaft: Andere Wege der Nutzung von Ressourcen und des Wirtschaften”, sowie die Broschüre Rethink mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Politik.

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