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Zoom-Fachvortrag über kreislaufgerechtes Bauen von ZRS Architekten und Ingenieure

Ergebnisse aus dem EU-Forschungsvorhaben RE4 und Beispiele aus der Praxis

In Luxemburg wurden allein im Jahr 2016 7,5 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle verzeichnet (eurostat 2016). Dies stellte 75% des luxemburgischen Gesamtabfallaufkommens in dem Jahr dar, womit Luxemburg auf Platz 2 in der EU rangierte. Da die Baubranche boomt, ist die Tendenz steigend. Damit verbunden ist auch ein enormer Verlust an Ressourcen in Form von Material und Energie sowie erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt durch die Bewirtschaftung und Beseitigung des Abfalls.

Da der Ressourcenverlust ein EU weites Problem darstellt und die Deponieorte allerorts knapp werden, ist in der EU Waste Ordonnance vorgesehen, die Abfallmengen im Bausektor von nicht gefährlichen Baustoffen durch Wiederverwendung oder Wiederverwertung um 70% zu reduzieren.

In diesem Zusammenhang wurde das EU-finanzierten Forschungsvorhaben RE4 (REuse and REcycling of CDW materials and structures in energy efficient pREfabricated elements for building REfurbishment and construction) organisiert, an dem auch ZRS Architekten und Ingenieure aus Berlin teilgenommen haben. Das Büro ZRS hatte sich bereits vorher einen Namen im Bereich Bauen mit Naturbaustoffen gemacht und vertritt dort die Position, dass bauen mit nachwachsenden Rohstoffen, Lehm oder kreislaufgerechten Baustoffen die Nachhaltigkeit im Bauwesen deutlich vorantreiben wird.

Im Rahmen des FE4-Forschungsprojektes haben sie ein Konzept für ein kreislaufgerechtes, energieeffizientes, mehrgeschossiges Wohngebäude auf Basis von Bau- und Abbruchabfällen entwickelt und anhand von zwei Prototypen den Nachweis für die Umsetzbarkeit erbracht.

Zu Beginn ihrer Forschungsarbeit hat das Büro ZRS Untersuchungen zu den verschiedenen Lebenszyklen der Konstruktionselementen sowie zu der Trennbarkeit von Bauteilen mit unterschiedlichen Lebenslaufzeiten unternommen und entsprechende Rückbaukonzepte entwickelt. Die Flexibilität der Gebäudestruktur in ihrer Nutzung bzw. ihrer Nachnutzung wurde hierbei mitanalysiert. Ziel ihres Projektes war es ein vorgefertigtes, vollständig reversibles Gebäude aus wiederverwendeten und rezyklierten Baustoffen zu konzipieren. Dazu haben sie auch die Sortiersysteme der verschiedenen Abfallfraktionen untersucht und es geschafft über hyperspektrale Bildgebung die Sortenreinheit der mineralischen Abfälle sowie die der anderen Fraktionen zu erhöhen. Dies ermöglichte ihnen einen Recyclingbeton herzustellen, bei dem die Zuschlagstoffe zu 100% durch Rezyklate ersetzt werden konnten. Mit den sonst nicht verwerteten Feinst-Fraktionen (< 2mm) aus den Abbruchabfällen, die ebenfalls immerhin 5 Mio. Tonnen Abfall pro Jahr (in Deutschland) ausmachen, haben sie Lehmbaustoffe entwickelt mit 67-87% Recyclingzuschläge. Insgesamt haben sie es geschafft die Bauteilkomponenten ihres Wohngebäudes zu 80% aus Recyclingmaterial zu erstellen. Die Bauteile können nach ihrem 1. Lebenszyklus zu 100% wiederverwendet werden und am Ende ihres 2. Zyklus zu 100% rezykliert werden. Da sie bei ihrem Projekt auf einen hohen Vorfertigungsgrad der einzelnen Bauteile gesetzt haben, in Kombination mit reversiblen Verbindungen, konnten zudem 92% der normalen Rückbaukosten eingespart werden. Dieses Forschungsprojekt, aber auch die anderen umgesetzten Projekte aus dem Büro ZRS, zeigen somit einen möglichen Weg auf, um zukünftig Ressourcen im Baubereich intensiver wiederzuverwenden oder wiederzuverwerten und damit langfristig Ressourcen und Abfall einzusparen.