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Fachveranstaltung 1: Bäume im Siedlungsraum – Bericht und Video

Am Donnerstag, den 4. März 2021, lud das Oekozenter Pafendall und der Mouvement Ecologique zum ersten Fachseminar der Webinar-Reihe „Méi Gréngs an eise Steid an Dierfer“ ein. Thema waren Bäume im Siedlungsraum – Klimaangepasste Artenauswahl und nachhaltige Gestaltung des Wurzelraums. Mehr als 140 Personen waren digital dabei.

Mit sehr viel Herzblut und Engagement stellte der erste Referent, Klaus Körber, Diplomingenieur der Fachrichtung Gartenbau und Arbeitsbereichsleiter für Technik und Unternehmensentwicklung an der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, seine Arbeitsergebnisse zum Thema „Stadtangepasste Artenauswahl“ vor. Kernaussagen waren z.B., dass nicht nur einheimische Bäume Insekten Unterschlupf und Nahrung bieten können, und dass Wassermangel der größte Stressfaktor für Bäume im Siedlungsraum darstellt. Körbers Fazit: Für die Baumpflanzung in unseren Städten und Dörfern sollten wir, neben klimaresilienten einheimischen Arten, auch auf andere Arten zurückgreifen, die ursprünglich/natürlich in trockenen und heißen Regionen Europas vorgekommen, wie z.B. in den Rhodopen. Eine Liste der empfohlenen Arten finden Sie in den Folien und Unterlagen von Herrn Körber (siehe Downloads). Auch machte Herr Körber darauf aufmerksam, dass gemischte Alleen (mehrere Baumarten in einer Reihe/Straße), nicht nur der Biodiversität zugutekommen, sondern auch resistenter gegen Schädlinge sind und auch der Schaden bei Trockenperioden geringer ausfällt, da verschiedene Baumarten auch verschieden auf Stress reagieren.

Auch der zweite Referent, Prof. Stefan Schmidt, Landschaftsarchitekt und Leiter der Abteilung „Garten- und Landschaftsgestaltung“ an der Lehr- und Forschungsanstalt Schönbrunn (HBLFA) in Wien, machte darauf Aufmerksam, dass es auch im Siedlungsraum ohne Blau (sprich Wasser) kein Grün (sprich Vegetation, also auch Bäume) geben kann. Wie auch sein Vorredner, machte Prof. Schmidt deutlich, dass Bäume eine ungemein wichtige Rolle dabei spielen, unsere Straßen und Plätze lebensfreundlich, sprich kühl, zu gestallten. Damit Bäume aber ihre ganzen Wohlfahrtsfunktionen (Senkung der Temperatur durch Schatten und Wasserverdunstung, Luftfilterung, Lebensraum für Vögel und Insekten, uvm.) entfalten können, brauchen sie Platz (für Wurzeln und Krone), das richtige Substrat und Wasser. Prof. Schmidt stellte das Konzept der Schwammstadt vor, welches über die letzten Jahre auch an mehreren Standorten in Wien umgesetzt wurde. Vereinfacht gesagt werden beim Schwammstadt-Prinzip die Bäume in ein poröses Substrat gestellt, das den Wurzelwuchs nicht hindert und auch eventuelle Schäden an Leitungen und Rohren verringert. Regenwasser kann dem Wurzelraum über Gully oder Raingarden zugefügt werden. Die Details und interessante Hinweise finden Sie auch hier in den Folien des Referenten und der Video-Aufnahme des Seminars.

Der letzte Referent des Abends, Alexander Borgmann, genannt Brüser, Landschaftsgärtner bei der Firma Arbor revital in Berlin, erläuterte die Beeinträchtigungen und Einschränkungen, mit welchen Bäume im Bestand konfrontiert sind. Von Bodenverdichtung, Platz-, Wasser-, Nährstoff- oder Luftmangel bis hin zu Wurzelbeschädigung bei Bauarbeiten. Er stellte dann auch eine ganze Reihe von Einzelmaßnahmen zur Revitalisierung vor. So z.B. Bewässerungsmöglichkeiten, differenzierte Nährstoffversorgung, Gehölzschnitt, Bodenbelüftung und Substrataustausch. Die teilweise sehr aufwendigen Eingriffe zeigen auch auf, wie sinnvoll es ist, direkt von Anfang an genug Platz, Wasser, Luft und hochwertigen Boden für Bäume im Siedlungsraum einzuplanen. Denn von einer gut geplanten und richtig umgesetzten Baumpflanzung profitieren die Einwohner, die Artenvielfalt und die zuständigen öffentlichen Dienste.

Im Anschluss an die Vorträge tauschten sich Referenten, Teilnehmer*innen und Vertreter des Transportministeriums, des Innenministeriums und des Straßenamtes über Artenauswahl, Baumunterhalt und Planungsprozesse aus. Einig war man sich darüber, dass es vor allen Dingen eine politische Endscheidung für Bäume im Siedlungsraum braucht und die Verantwortlichen bei der Umsetzung mit dem richtigen Know-How, angepasstem Material und Endscheidungsfreiheit unterstützt werden müssen.

Die Webinar-Reihe findet statt unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Umwelt, Klima und Nachhaltige Entwicklung, des Innenministeriums, des Ministeriums für Mobilität und öffentliche Arbeiten, des Ministeriums für Energie und Raumentwicklung und des Gemeindesyndikates SYVICOL.

Diese Bücher sind ebenfalls erhältlich in unserer Bibliothek www. oekobib.lu!

Weitere Informationen/Publikationen zum Thema:

  1. Broschüre: Bäume und Sträucher für Bienen und Insekten, Bayrische Landesanstald für Weinbau und Gartenbau
  2. Interview mit Dr. Susanne Böll und Dr. Andreas Zehm Quo vadis Biodiversitätsschutz? Einheimische Stadtbäume im Klimawandel
  3. Der ökologische Wert von Stadtbäumen bezüglich der Biodiversität, Sandra Gloor und Margrith Göldi Hofbauer
  4. Straßenbäume als Komponente der Überflutungs- und Hitzevorsorge in Städten, Carmen Biber , Wolfgang Dickhaut , Elke Kruse
  5. FFL broschüre: Fachbericht, Erhaltung von Verkehrsflächen mit Baumbestand, 2019
  6. Broschüre: Bäume und Sträucher im Siedlungsraum; Bird Life Schweiz
  7. Broschüre: Gehölze, Bäume Sträucher und Lianen, Natur im Garten